Bock zu shooten? Oder, die TfP Bewerbung...

June 07, 2019  •  Kommentar schreiben

Bock auf TFP? So steigen die Chancen!

TFP Shootings - inzwischen wohl für alle Mädels ein Begriff. Time for Pictures, also "Zeit für Bilder" was bedeutet, dass weder Model noch Fotograf für ihre Leistungen etwas berechnen und "nur" ihre Zeit zur Verfügung stellen. Leider wird mittlerweile fast alles auf TfP gesucht, Portrait, Streetstyle, Sensual sogar bei Hochzeiten dürfte ich "mein Portfolio gerne erweitern". Es eskaliert mittlerweile und darum möchte ich ein bisschen erzählen, warum das gerade für Berufsfotografen kein so erfreuliches Thema ist. Zudem will ich Euch noch ein paar Tipps mitgeben, wie die Chancen steigen doch an ein TfP Shoot zu gelangen.

 

So wird's wahrscheinlich nix...

"Bock zu shooten?" oder "Hey, ich find Deine Bilder cool, wir müssen unbedingt mal was zusammen machen!" oder "Hey, wann shooten wir denn mal?" sind absolut keine Anfragen die irgendjemand hören möchte und die ich so auch definitiv nicht mal mehr beantworte. Arrogant? Nein! Wieso antworte ich da dann nicht? Weil das einfach absolut respektlos ist, null Aussagefähigkeit, keine Infos zum Model, keine mitgeschickten Polas (ein Model weiss was Polas sind!) und auch keine mitgelieferten Ideen, die mein Interesse wecken würden...

 

 

 

Seid Euch bitte im Klaren darüber, dass ein Shooting bei einem gewerblichen Fotografen normalerweise Geld kostet und der Fotograf für Euch auf sein Honorar verzichten würde, wenn er mit Euch TfP shootet. Genauso wie auch Models bezahlt werden wollen wenn sie gebucht werden, ob das bei jedem Model berechtigt ist oder nicht lasse ich mal dahingestellt. Darum sollte man sich bei einem Anschreiben, bei dem man etwas eigentlich Kostenpflichtiges gerne kostenlos (nicht umsonst!) haben möchte bitte ein bisschen Mühe geben.

 

Berufsfotografen egal ob Haupt- oder Nebenberuf leben und finanzieren sich über ihre Arbeit und da ist Zeit einfach Geld, das heisst ich oder auch die KollegINNen haben einfach nicht die Zeit sich dann selbst an die Recherche zu machen, ob denn hier eine Portfolioerweiterung gegeben ist. So lieb es gemeint ist "Hier ist der Link da kannst Du Dir meine Bilder anschauen..." - sorry, das kostet einfach Zeit die Ihr den Fotografen ersparen könnt, wenn Ihr gleich ein paar aussagefähige Bilder mitschickt und auch ein wenig zu Eurer Person schreibt. Tipp: Schaut Euch mal eine Sedcard an welche Infos da drauf stehen...

 

 
 

"Hallo Michael..." - ooops... peinlich!

 

Wenn Ihr schon Anfragen an mehrere Fotografen schickt und mit Copy & Paste arbeitet, dann denkt bitte daran den Namen desjenigen richtig zu schreiben. Michael ist mein Dad, der fotografiert aber nicht ;-)

 

So wird da schon eher ein Schuh draus:

"Hallo (Fotografenname), meine Name ist (Modelname).." - stellt Euch einfach vor, Ihr würdet dem Fotografen auf der Straße oder bei einem Event begegnen. Höflichkeit und Anstand hat auch in Social Media durchaus seinen Platz, ich komme noch aus einer Zeit, da das selbstverständlich war! Und ja, ich lege da tatsächlich etwas Wert darauf! Duzen ist kein Problem, das ist in der Kreativbranche durchaus üblich...

 

Ich habe oben schon als Tipp gesagt, schaut Euch mal an welche Infos auf einer Sedcard stehen und schreibt das in Eure Anfrage mit rein, also in etwas so:

 

- Alter (ganz wichtig, ich shoote nur ab 18!)

- Wohnort

- Angaben zu Körpergröße, Maße, Schuhgröße, Konfektionsgröße

- Aufnahmebereiche!! (Bewerbt Euch nicht auf ein Dessousshoot, wenn Ihr nur Portrait macht...)

- wie lange ihr schon modelt bzw. welche Erfahrung ihr schon gesammelt habt (bitte ehrlich!)

- wie ihr auf den Fotografen aufmerksam wurdet, Empfehlung etc.

 

Dazu dann noch ein paar aussagekräftige Bilder wie zum Beispiel Polas (nein, Polas sind KEINE Nacktbilder!! Kein Fotograf braucht Nacktbilder von Euch! Keiner! Wirklich keiner! Nie!), oder ein paar Aufnahmen von Euren früheren Arbeiten. Wer keine Polas hat, schickt am besten ein Selfie und jetzt kommts:

 

- OHNE Snapchat/Instagram Filter

- Keine Hasenohren etc.

- bitte kein Duckface!!

- nur dezentes Makeup, am besten gar keins

 

Warum? Weil der Fotograf sehen möchte was auf ihn zu kommt. Klingt blöd, ist aber so! Es ist ein wahnsinns Unterschied, ob ich jemanden mit nahezu makelloser Haut oder jemanden in der Blüte seiner Pubertät vor der Kamera habe. Das ist nicht böse gemeint und heisst auch nicht, dass jemand mit fünf sechs Pickeln im Gesicht nie ne Chance hat, aber ich wüsste halt gerne was ich im Nachhinein eventuell für einen Retuscheaufwand habe! That's it!

 

 

 
 

Leider viel zu selten, aber das ist mal eine Bewerbung mit der man etwas anfangen kann (da ist mir auch ein Buchstabendreher egal ;-) ). Alle Infos soweit vorhanden, Bilder (sogar Polas) mit dabei, definitiv in der engeren Auswahl, wenn mich die Bilder auch noch ansprechen!

 

Auch wenn das eine Bewerbung auf eine Ausschreibung war, bekomme ich so eine Bewerbung als Initiativbewerbung ohne Ausschreibung, überlege ich mir da auf jeden Fall auch eventuell etwas zu starten. Ihr merkt selbst, es ist gar nicht so schwer eine vernünftige Bewerbung zu schreiben!

 

TFP - Bilder für lau, kostenlos und manchmal umsonst!

Warum manche Fotografen bei dem Thema TfP etwas gereizt reagieren versteht man oft nicht,allerdings hat es tatsächlich etwas inflationäre Ausmaße angenommen. Heutzutage ist jedes Mädel das einen Instagram Account hat Model oder noch besser Influencer. Ich gönne jedem Hobbyfotografen seinen Spaß, wenn er mit Instagram Models TfP shootet und 20 Bilder bearbeitet und ich gönne auch jedem Model ein kostenloses Shooting, aber man muss auch mal verstehen, dass bei so einem Job, egal ob Haupt- oder Nebenberuf eben auch Geld hängt bzw. Kosten entstehen.

 

Zur Verdeutlichung nur mal eine kleine Aufstellung:

 

- vernünftige Kamera, Vollformat oder APS-C vollkommen egal

- vernünftiges, lichtstarkes Objektiv

- Laptop / Computer zur Bildbearbeitung

- Monitor(e) zur Bildbearbeitung

- Internetzugang

- Kommunikationsmittel

- Handwerkskammer ca. 180.- EUR pro Jahr

- Betriebshaftpflicht ca. 200.- EUR pro Jahr

 

Wenn man davon ausgeht, dass hier noch keine Studiomiete dabei ist, kommt man trotzdem auf einen monatlichen Betrag von ca 300.- EUR der erwirtschaftet werden muss um diese Kosten zu decken... jeden Monat! Und welcher Fotograf den Ihr kennt hat nur ein Objektiv? ;-) Dazu kommen Weiterbildungen etc. die auch nicht unbedingt immer kostenlos zu haben sind (schon mal versucht bei nem Bildungsträger eine Fortbildung auf TfP zu ergattern? ;-) )

 

Dazu kommt dann bei einem Shoot ja nicht nur die Zeit die man gemeinsam verbringt, es ensteht auch noch Aufwand bei der Bildauswahl, Nachbearbeitung etc. - das wird nur gerne vergessen. Mir ist auch klar, dass Klamotten Geld kosten, aber bitte erzählt mir nicht, dass Ihr die Klamotten für ein Streetstyle Shoot nie wieder anzieht und extra nur für den Termin gekauft habt... Ebenso verstehe ich auch, dass auf Modelseite Fahrtkosten entstehen - die entstehen mir aber auch. Wenn Ihr also unbedingt mit mir arbeiten wollt und wir uns irgendwo in der Mitte treffen (was ja möglich ist) dann sollte da bitte auch jeder seine Kosten selbst tragen (TfP, erinnert Ihr Euch?).

 

Deshalb sind TFP Shoots eben nicht immer möglich, sondern nur wenn ich damit mein Portfolio auch erweitern kann. Ansonsten muss ich für mein Unternehmen eben auch Geld erwirtschaften.  Wenn es dann zu einem TfP Shoot kommt, erwarte ich von den Modellen Professionalität, sicheres Posen, Erfahrung vor der Kamera und vor allem Zuverlässigkeit! Geplatzte Termine ohne Absage oder eben zwei Stunden vor dem Termin mag ich gar nicht und sorgen definitiv auch nicht dafür, dass es von mir eine Empfehlung bzw. einen weiteren Termin gibt... Dazu kommt dann auch das "Aussehen".  Das klingt zwar hart, denn Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, aber es muss für mich halt auch zu meiner Arbeit und in mein Portfolio passen.

 

Pluspunkt wäre auch, wenn Ausschreibungen wirklich durchgelesen werden bevor man sich bewirbt... auf meine Bedtimestories mit dem Hinweis auf indoor, Bett, Dessous bis Akt etc habe ich eine Bewerbung mit den Worten erhalten: "Cooles Projekt, ich shoote aber keine Dessous und kein Akt, Homeshoot ist auch schwierig, aber ich könnte mir da was am See vorstellen..." - NEIN, ich nicht! In der Schule wäre das Themaverfehlung, setzen, sechs! Es passt nicht und dann kann ich mir das auch nicht vorstellen. Punkt.

 

Ja, ich arbeite nicht nur mit Models mit langer Erfahrung, sondern auch mit New Faces, aber da muss dann einiges zusammenkommen. Das Gesicht muss mich interessieren, die Chemie muss stimmen und ich muss den Eindruck haben, dass wir gemeinsam coole Bilder erstellen können.

Aber warum muss für Models immer alles kostenlos sein? Warum kann sich ein Anfänger-Model das sich ein tolles Portfolio aufbauen möchte, nicht die Arbeit eines Profis gönnen und im Gegenzug dafür richtig gute Bilder erhalten? Nein, der Nachbar mit seiner Kamera macht das umsonst, das taugt genauso und kostet nichts, Instagram Filter drüber und fertig ist das Modelbild. Die Chancen auf ein TfP Shoot erhöhen sich allerdings drastisch, wenn man wirklich gute Bilder vorzeigen kann... (und die kann ein Fotograf eventuell doch besser hinkriegen als der Nachbar...).

 

Follower als "Zahlungsmittel"

 

"Hey ich hab 15.000 Follower auf Instagram, das ist voll die Werbung für Dich!" Ist es das? Nein, ist es nicht! Deine Zielgruppe ist vielleicht nicht meine Zielgruppe und selbst wenn von Deinen "Fans" mir auf einen Schlag 200 folgen, davon habe ich nichts, da sie irgendwann feststellen, dass ich nicht nur mit Dir arbeite, dass ich KEINE Outtakes von unserem Shoot verkaufe und Dich auch nicht beim Umziehen fotografiere... im Ernst, ob Du jetzt 500 Follower, 15.000 oder noch mehr hast, ist mir egal, davon habe ich nichts und erhöht auch nicht die Chance mit mir zu arbeiten, wenn dann eben nur ein "Bock zu shooten?" kommt.

 

Last mich Euch dazu eine Geschichte erzählen:

Ich habe im letzten Jahr mit einer tollen jungen Frau einen Kalender fotografiert, den sie an ihre Follower verkauft hat. Sie hat rund 180.000 Follower auf Instagram und ist gerade mal 18 Jahre alt. Aber! Im Gegensatz zu vielen weiss sie genau, dass Dienstleistung Geld kostet, das heisst sie hat nach einem Angebot gefragt und wir haben uns auf einen Payjob geeinigt. Sie hat nicht mal versucht meine Dienstleistung kostenlos zu bekommen, weil ihr klar ist, dass wenn sie etwas kommerziell nutzen will, dann auch dafür bezahlen muss. Diese Reife und dieses Verständnis vermisse ich leider bei vielen, die laut Perso schon wesentlich älter sind... ;-)

 

 

In diesem Sinne, schönen Start ins Wochenende und schöne Pfingsten

Klaus

 

P.S.: Ihr dürft gerne in die Kommentare schreiben wie es Euch so mit TfP geht, welche Stilblüten Ihr bei TfP erlebt habt, ob Ihr TfP anbietet oder eher nicht... was Euch dazu einfällt...


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